Update: Part Time Scientists gewinnen Milestone Preis!

Am 25. Jänner 2015 gewinnen die Part Time Scientists Berlin für ihr eingereichtes Projekt beim Google Lunar XPRIZE den Mobility Milestone und den Imaging Milestone Preis.

Die Jury zeichnet damit ihren Asimov Rover aus, weil er zeige, dass er den enormen Kräften beim Raketenstart widerstehen, erfolgreich auf dem Mond navigieren und in der lebensfeindlichen Mondatmosphäre überleben könne. Auch die Kamera auf dem Vehikel sei hart im Nehmen und technologisch in der Lage HD Videos zurück zur Erde zu senden.

Das bedeutet einen finanziellen Beitrag für die Mondmission des deutsch/österreichischen Teams in Höhe von USD 750.000! Das spannende Projekt geht also in die nächste Runde, und 1zu1 war zu Beginn mit dabei …

Ground control to major Tom

Mario Kulczynski ist jung, clever und hat einen Traum: Einen Roboter auf dem Mond zu landen. Zusammen mit den Part Time Scientists Berlin nimmt er am spektakulären Google LunarXPrize teil. Dabei treten Projetkteams aus der ganzen Welt gegeneinander an. Die Berliner Teilzeit-Wissenschaftler liegen gut im Rennen.

Das Ziel des LunarXPrize Wettbewerbs scheint unmöglich zu sein: Wer schafft es, zu einem Bruchteil eines NASA-Budgets, einen Roboterrover ins All zu schießen, mit ihm auf dem Mond zu landen und Fernsehbilder zur Erde zu schicken? Die Part Time Scientists aus Berlin haben die Herausforderung angenommen. 1zu1 Prototypen sind begeistert ins Projekt eingestiegen und haben die Funktionsprototypen für den Lander und für den Rover gebaut. Ein Weltraumwettlauf der neuen Generation ist eröffnet. Mario Kulczynski erzählt.

Das Motto der Part Time Scientists heißt „Hell yeah, it’s rocket science!“. David Bowies Song Space Oddity beginnt mit der Meldung: Ground control to major Tom. Der driftet dann durch die unendlichen Weiten des Alls. Die Part Time Scientists und der Weltraum. Eine Liebes- oder eine Hassgeschichte?

Unser Ziel, auf dem Mond zu landen und dort mit einem Rover herum zu fahren, ist wohl eines der größten Ziele, welches man sich als Mensch stecken kann. Wir haben uns dieser Herausforderung vor ca. 18 Monaten gestellt und sie angenommen. Als wir angefangen haben, verfügten wir weder über das notwendige Kapital noch über das entsprechende Knowhow. Auch wenn ersteres Problem noch nicht gelöst ist, sind wir schon sehr weit gekommen. Und dies wäre uns ohne unseren grenzenlosen Einsatz und unsere Leidenschaft nie gelungen. Um auf die Frage zurückzukommen – ganz klar eine Liebesgeschichte.

Herr Kulczynski, was genau machen Sie bei den Teilzeit-Wissenschaftlern?

Kurz gesagt, das Unmögliche möglich machen. Vorrangig ist momentan meine Aufgabe, die Finanzierung auf die Beine zu stellen. Darüber hinaus stelle ich Kontakte zu möglichen Partnern her und koordiniere diese. Bei mittlerweile über 20 Partnern aus der Industrie und Wirtschaft ist man damit ganz gut ausgelastet. Ansonsten entwickle ich für unsere Zukunft mögliche Strategien, denn wir wollen nicht nur einmal zum Mond.

Warum braucht man bei der Vorbereitung ihrer Mondmission überhaupt Funktionsprototypen?

Auch wenn wir mit der Software Solidworks, die wir von unserem Partner Solidline zur Verfügung gestellt bekommen haben, einen Großteil der Funktionen simulieren können, ist dies doch etwas anderes, als wenn man einen Prototypen in der Hand hat. Nachdem wir nun zum Beispiel ein paar Modifikationen an unserem Rover Asimov Junior 2 vorgenommen haben, machen wir damit erste Fahrtests. Diese lassen wiederum Rückschlüsse auf mögliche Verbesserungen oder vorzunehmende Änderungen zu. Nicht zuletzt ist es auch für Präsentationen wesentlich überzeugender, wenn man ein reales Modell anstatt nur eine Animation zeigen kann.

Wie sind Sie auf die 1zu1 Prototypen aus Dornbirn in Vorarlberg gestoßen? Das Prototyping Unternehmen liegt ja nicht gerade in unmittelbarer Nachbarschaft zu Berlin.

Auf Empfehlung eines Kunden von 1zu1. Das Angebot an Firmen, die Rapid-­Prototyping anbieten, ist mittlerweile recht unübersichtlich geworden. Hinzu kommt, dass die Qualität dieser Komponenten sehr unterschiedlich ist und der größte Teil für Funktionstest nicht zu gebrauchen ist. Mit der Firma 1zu1 haben wir wohl den derzeit besten Hersteller für unsere Prototypen gefunden. Zudem haben wir alle Komponenten nach Bestellung innerhalb von 3 bis 4 Tagen in Berlin. Da merkt man die Distanz zwischen Berlin und Dornbirn eigentlich nicht.

Können Sie uns am Beispiel ihrer Prototypenanforderungen die Zusammenarbeit zwischen Part Time Scientists und 1zu1 Prototypen schildern?

Bei 1zu1 merkt man, dass jeder Mitarbeiter mit Leidenschaft dabei ist. Denn von welcher Firma kann man schon behaupten, dass man am zweiten Weihnachtsfeiertag auf eine dringende Email eine Antwort bekommt? Und dass sie schnell und flexibel sind, haben Sie uns mehr als einmal gezeigt. Speziell dann, wenn es darum ging, kleinere Konstruktionsänderungen noch kurz vor den Premierentagen umzusetzen. Dass diese Teile immer der gewünschten Präzision entsprechen, sollte dabei nicht unerwähnt bleiben.

Wie ist es Ihnen mit den beiden Funktionsprototypen Jules Verne (Lander) und Asimov Junior (Rover) ergangen? Punkto Funktion, punkto Genauigkeit, Materialbelastung, Design und Oberflächen bei 1zu1?

Unsere Funktionsprototypen haben unterschiedliche Aufgaben. So dient unser Lander Jules Verne R0 als Modell, bei dem es um mögliche Anordnungen von unterschiedlichen Komponenten geht. Unser Rover Asimov Junior R2b wird für Fahrtests verwendet, bei denen wir neben der Mechanik auch die Elektronik testen und daran weiterentwickeln. Unser Rover-Design ist für Carbon-Komponenten entwickelt und kann wegen der Materialbelastung, nicht zuletzt wegen der unterschiedlichen Schwerkraft auf der Erde und dem Mond, nicht wirklich simuliert werden. Wir haben daher einige Teile durch Aluminium ersetzt oder durch Hilfskonstruktionen verstärkt. Prinzipiell haben die Komponenten eine sehr gute Materialeigenschaft die es uns ermöglicht, diese nachzubearbeiten. So haben wir in einige Komponenten Gewinde geschnitten oder das eine oder andere Teil lackiert.

Der Lander Prototyp wurde auf der Euromold in Frankfurt, der Rover Prototyp auf der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung in Berlin präsentiert. Wie sind ihre beiden „Babies“ beim Publikum angekommen?

Unsere Prototypen sind allesamt sehr gut bei unserem Publikum angekommen. Insbesondere unser Rover Asimov Junior 2 gilt als absoluter Publikumsliebling, dem gerne auch eine gewissen Ähnlichkeit zu WALL.E (computeranimierter Kinofilm, 2008) oder Johnny 5 (Roboter in einem Science Fiction Film, 1986) nachgesagt wird. Vor allem bei den hin und wieder in der Öffentlichkeit stattfindenden Fahrtests werden unsere Prototypen mit viel Begeisterung bestaunt. Unser Lander ist eher unspektakulär, da man schlecht ein funktionierendes Triebwerk simulieren kann. Dass dies aber eine sehr anspruchsvolle Herausforderung ist, kann man an dem Modell sehr gut erklären.

Herr Kulczynski, als Neil Armstrong als erster Mensch seinen Fuß auf den Mond setzte, soll er gesagt haben „That’s one small step for a man, one giant leap for mankind“. Mitte 2013 wird ihr Roboterfahrzeug Asimov Junior auf dem Mond landen. Wenn alles klappt: Haben Sie schon eine Botschaft für die Menschen hier auf der Erde vorbereitet?

Es ist jetzt fast vierzig Jahre her, dass der Mensch das letzte Mal auf dem Mond war. Es wird Zeit, dass wir dorthin zurückkehren. Den ersten Schritt dazu haben wir getan und es werden weitere folgen. Der Mensch ist seit je her auf der Suche nach seinen Grenzen. Und die Grenzen sind dort, wo wir sie uns selber setzen.

Danke für das Gespräch.

Mario Kulczynski gehört beim Projekt Mondmission zum Kernteam der Part Time Scientists Berlin (www.part-time-scientists.com). Die Fragen an ihn hat Hermann Brändle gestellt.